Förderverein Streuobstwiesen
 an Murg und Oos e.V.

Streuobst 2050 - Streuobstwiesen im Klimawandel bewirtschaften und umbauen 

Entnahme und erste Überlegungen zur Umsetzung von Düngeempfehlungen

 

Ausgehend vom Stammtisch im Juni 2022 haben wir uns mit dem Thema eingehend befasst.

Um die Widerstandsfähigkeit der Bäume gegenüber einer Infektion zu erhöhen, sollten die Bäume bestmöglich mit Wasser und Nährstoffen versorgt werden!

Viele Grundstücksbesitzer haben lange Zeit nach Gefühl gedüngt, ohne genau zu wissen, was dem Boden eigentlich fehlt. 

Mit der Verwendung mineralischer Volldünger (die bei uns im ökologischen Landbau sowieso nicht verwendet werden dürfen) führte dies schnell zu einer Überdüngung mit Phosphat und Kalium. Insbesondere Phosphat, weil es sich sehr lange teilweise über Generationen sich im Boden hält und anreichert, schadet in hoher Konzentration den Pflanzen. Es behindert die Aufnahme von Eisen, Calzium und Mangan und kann Wachstumsstörungen verursachen. 

So ist eine Bodenprobe sicher mal sinnvoll. Labore geben vor, wie die Bodenproben zu entnehmen und zu verpacken sind. Eine Liste empfohlener Labore findet man auf der Webseite des LTZ in Ettlingen. 

Welche Werte sind sinnvoll mit einer ersten Bodenprobe zu ermitteln?

1. Nährstoffgehalte

Phosphor (P), Kalium (K), Schwefel (S), Magnesium (Mg), Calcium (Ca), Stickstoff (N) wäre wichtig, ist aber schwierig

2. Humusgehalt

Indikator für organische Substanz im Boden, gibt Rückschlüsse über Stickstoffnachlieferung des Bodens (Bodenaktivität)

3. pH-Wert 

Erste Überlegungen zur Umsetzung von Düngeempfehlungen 

Düngung im Winter: 

Kalk (Calziumcarbonat, CaCO3), Magnesium, Kalium und Phosphor. 

Mg, K und P können zusammen gegeben werden können, Kalk gesondert, da sich sonst schnell Verbindungen bilden, die die Nährstoffe im Boden festlegen und so nicht pflanzenverfügbar sind.

Stickstoffdüngung im Frühjahr bis spätenstens bis zur Blüte:

Stickstoff (N) - nicht mehr ab Mitte Sommer, (!),  da der Baum dann kaum noch Bedarf hat, verfügbarer Stickstoff wird dann ausgewaschen, das Nitrat geht ins Grundwasser!!!

Langsam lösliche Stickstoffdünger: Menge auf einmal (Austrieb/Blüte) 

Schnell lösliche bzw. schnell wirksame Stickstoffdünger: mehrere Gaben ab der Blüte bis Ende Mai. Vorsicht: Nicht zuviel, sonst höhere Krankheitsanfälligkeit und zu starke Triebigkeit.

 

Nährstoffversorgung mit Stickstoff

Jeweils knapp 1% Stickstoffgehalt enthalten Kompst, Pferdemist (Schwankungen!). Hornspäne und -mehl sind mit 10-14 % Stickstoff  gute Stickstofflieferanten. Je feiner das Hornmaterial, umso schneller wird es zersetzt (größere Oberfläche = größere Angriffsfläche für Mikroorganismen). Auch in Brennesseljauche ist  Stickstoff enthalten.

Auswaschung von Stickstoff durch Wasser: Wenn mehr Wasser kommt (aus Regen oder vom Gießen) als der Boden aufnehmen kann, dann läuft das Wasser nach unten ab ins Grundwasser. Dabei nimmt es im Boden lösliche Stoffe mit z. B. Nitrat.

Das Auswaschen von Stickstoff durch Gießen auf der Obstwiese schafft man meistens nicht, aber Niederschläge über längere Zeit z. B. im Winter, wenn die Pflanze nichts braucht, können recht viel auswaschen.

Die Düngung von Stickstoff kann sich auch am am Entzug orientieren, Stichwort "Nährstoffbilanz" (beschrieben im 2. Teil und ein Musterbeispiel in Teil 4)

Nährstoffversorgung mit Phosphor

Phosphor ist im Kompost (siehe unten) und  in verschiedenen Pflanzenjauchen wie Beinwell- oder Brennnnesseljauche sowie in Hornmehl und Hornspänen. 

Ein pH-Wert zwischen pH 6 und pH 6,5 wirkt sich besonders günstig auf die Pflanzenverfügbarkeit aus. Kälte, Trockenheit und Bodenverdichtungen behindern die Aufnahme.

Nährstoffversorgung mit Kalium

Kompost vor allem Gesteinsmehl, Pflanzenjauchen (Brennnessel, Beinwell, Farn) und Rindermist.  Holzasche und Algendünger sind weitere Möglichkeiten.

Die Aufnahme von Kalium hängt stark von der Beschaffenheit des Bodens ab. Es ist auch Bestandteil der Tonminerale und damit auch wichtig für das Bodengefüge. Je nach Boden kann viel Kalium drin sein, das aber nicht alles pflanzenverfügbar ist. 

Auswaschung von Kalium durch Wasser: Kalium ist im Boden gut beweglich, die Auswaschung ist jedoch in der Regel kein Thema.

Nährstoffversorgung mit Calcium

Kompost und Beinwelljauche sind gute Calciumlieferanten.

Auswaschung durch Wasser hat für uns keine Bedeutung. 

Nährstoffversorgung mit Magnesium

Möglichkeiten sind Kompost, Bittersalz, Algenkalk, manche Gesteinsmehle, Buchenholzkohle, Beinwell- und Brennnesseljauche.

Auch Magnesium kann zwar ausgewaschen werden, was auch hier abhängig ist vom pH-Wert. In der Regel liegt es im Boden in Bindungen vor, die nur langsam gelöst werden.

Nährstoffversorgung mit Schwefel

Schwefel ist im Kompost und Rindermist.

Nährstoffversorgung mit Spurenelementen 

Auch wenn Spurennährstoffe nur in sehr kleinen Mengen benötigt werden, sind sie dennoch lebensnotwendig. Wer seine Kulturen organisch düngt, ist in der Regel auf der sicheren Seite.

Spurenelement Eisen

Vorsicht: Bei einem sehr kalkhaltigen oder stark verdichtetem Boden ist Eisendünger wirkungslos.

 

Da sich durch Bewirtschaftung und Düngung der Nährstoffgehalt und der ph-Wert des Bodens verändern können, empfiehlt sich alle drei bis fünf Jahre eine Bodenanalyse.

Überlegungen zum Einsatz von Kompost und Mist auf Streuobstwiesen

Quellen:  www.gartenohnegift.de  /  http://www.kompostberatung.ch/wissen/qualitaet_naehrstoffe.html

Die Positive Wirkung von Kompost ist umfangreich, Reifkompost...

  • fördert das Bodenleben und damit die Bodenfruchtbarkeit
  • verbessert die Durchlüftung des Bodens: schwere, tonige Böden werden durchlässiger
  • erhöht das Wasserhaltevermögen des Bodens, der Boden trocknet weniger schnell aus
  • fördert die Erwärmung des Bodens wegen seiner dunklen Farbe,
  • enthält Nährstoffe und Spurenelemente für die Pflanzen, die langsam freigesetzt werden
  • hat eine Kalkwirkung durch 6,5-7,5 pH
  • absorbiert mineralische Nährstoffe und schützt somit vor Nährstoffauswaschung
  • erhöht die Pflanzenverfügbarkeit schwer löslicher Nährstoffe durch die beim Humusabbau entstehenden Säuren und Ausscheidungen der Bodenlebewesen
  • erhöht die Widerstandskräfte der gedüngten Pflanzen gegen Schädlinge und Krankheiten

Die regelmässige Anwendung von Kompost hilft mit, die Fruchtbarkeit eines Bodens entscheidend zu verbessern: durch Kompost werden dem Boden Humus (organische Bodensubstanz, stark von Bodenbakterien und Pilzen durchsetzt)  und Pflanzennährstoffe zugeführt. So kann Stickstoff im Boden festgehalten werden, wenn er in Form von organischer Substanz, z.B. Humus vorliegt. Wenn Stickstoff in der organischen Substanz gebunden ist, kann er nicht ausgewaschen werden (!), noch wird er durch die Pflanze aufgenommen. Er wird  aus der organischen Substanzerst erst durch Bodenorganismen freigesetzt, die dazu Wasser und Luft benötigen. Feuchtigkeit und Hacken begünstigt die Freisetzung, im Optimalfall geht das dann in genau der Menge, die die Pflanzen aktuell aufnehmen können.

Kompost hat etwa 

  • 0,9 % Stickstoff, 0,6 % Phosphor, 0,8 % Kalium und 0,7 % Magnesium.  

Pferdemist hat etwa 

  • 0,5 % Stickstoff, 0,4 % Phosphor, 0,9 % Kalium und 0,2 % Magnesium.

Mist aus der Massentierhaltung ist wegen Rückständen von Arzneimitteln, etc. auf unseren Äckern im Hinblick auf Bio-Apfelsaft natürlich tabu.

Wichtig: den reifen Kompost im Frühjahr oberflächlich einarbeiten, nicht tief untergraben, sonst erstickt er, was dem dem Boden bekanntlich nicht gut tut!

 

Nährstoffbilanz Stickstoff beim Einsatz von Kompost: "Musterwiese" 

Grundannahmen als Berechnungsgrundlage

  • Musterwiese: Fläche 1000m² und 1t Apfelernte
  • Entzug von Nährstoffen durch die Ernte (pro Tonne Äpfel): 400g Stickstoff, 125g Phosphor (P2O5), 1,1 bis 1,4 kg Kalium und 250g Calzium
  • Ausbringung  von Kompost nach einem Erntejahr mit 1t Obst
  • 5l/m² unter den Bäumen, d.h. 0,5 cm Bodenauflage auf der Bodenfläche unter den Bäumen 
  • der Anteil der Fläche, der unter den Bäumen liegt und mit Kompost gedüngt wird,  beträgt bei unserer Muster-Streuobstwiese 20% der Gesamtfläche, also 200 m² 

Mit diesen Grundannahmen kommt man zu folgender Berechnung:

  • 200m² x 5l = 1000 l Kompost mit einem Gewicht von ca. 500 kg  (ausgehend von einem Volumengewicht von Kompost ca. 500 kg), 
  • der Kompost enthält ca. 1% Stickstoff, also insgesamt ca.5 kg Stickstoff , davon können in einer Vegetationsperiode durch die Mineralisierung von Stickstoff  nur ca. 5-10% pflanzenverfügbar genutzt werden, also 250g bis 500g
  • eine Ernte von 1t Äpfeln entspricht einem Entzug von 400g Stickstoff 
  • Dem Entzug von Stickstoff durch die Apfelernte von 400g stehen der Zufuhr von Stickstoff von 250-500 g gegenüber, die Nährstoffbilanz der Streuobstwiese im Musterbeispiel ist ausgeglichen.

Eine einmalige Düngung mit Kompost gleicht die Nährstoffbillanz der Streuobstwiese nach dem Entzug von Nährstoffen durch der Entnahme von einer Tonne Äpfel wieder aus. Da aber die Mineralisierung von Stickstoff aus dem aufgebrachten Kompost in den Folgejahren weitergeht (Mineralisierung im ersten Jahr nur 5-10%), ist nach dieser Rechnung eine Düngung nur in Abständen von mehreren Jahren notwendig. 

Es gibt Empfehlungen, Streuobstwiesen jährlich mit 1-2l/m² Kompost, also nur mit einem Drittel der oben angenommenen Menge zu düngen. Auch die Düngung mit 5l/m² im Abstand von drei Jahren wird empfohlen, da dies deckt auch ziemlich genau für drei Jahre wiederum den Phosphor- und Kaliumbedarf der Obstbäume deckt.

In der Natur hängen die Werte von vielen Faktoren ab - die Berechnung im Musterbeispiel kann uns jedoch als Anhaltspunkt dienen.

Interessant als Ergänzung erscheint uns das "ABC der Düngung":

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