Förderverein Streuobstwiesen
 an Murg und Oos e.V.

Stammtisch März 2023

Herr Flinspach „Die Karlsruher Streuobstinitiative“
Zusammenfassung des Vortrags: B.S.

Entwicklung Streuobstwiesen in Baden-Württemberg nach dem 2. Weltkrieg

Der Generalobstbauplan Baden-Württemberg von 1957 sah Rodungsprämien für Obstbäume vor, die bis 1973 galten.

In dieser Zeit entstand auch der Begriff „Streuobstwiesen“, den man so deuten kann, dass Obstbäume auf Wiesen in die Landschaft „gestreut“ sind. Streu-Wiesen haben einen anderen Sinn, nämlich Streu für die Ställe zu gewinnen. Es waren oft Wiesen, die man nicht zu Futter verwerten konnte, mit z.B. Seggengras.

In den 70er/ 80er Jahren kam man dann zu neuen Erkenntnissen, nämlich, dass Streuobstwiesen wichtige Bedeutung haben für:

1. Obstproduktion

2. Landschaftsprägung

3. Lebensraum für viele Pflanzen und Tiere, vor allem Insekten

4. Artenschutz

5. Erholung, auch im Sinne von Ausgleichstätigkeiten zu etwa Büroarbeit

6. Genreservoir , z.B. zur Erhaltung von oft lokal gezüchteten Obstsorten oder auch Sorten, die gegen die Krankheit Feuerbrand besser resistent sind als andere, momentan wichtig Sorten, die besser mi dem schwarzen Rindenbrand zurechtkommen.

7. Klimaschutz, z.B. durch Verdunstung durch die Blattmasse der Obstbäume

8. Bodenschutz und Wasserschutz, denn auf den Wiesen wurde wenig oder gar nicht gedüngt, dadurch ergaben sich keine Einträge ins Grundwasser

So wurde am 8.Mai 1996 die Karlsruher Streuobstinitiative gegründet. 

Momentan sind Mitglieder:  32 Kommunen/ 31 Vereine (OGV, aber auch Naturschutzinitiativen) / 430 Einzelmitglieder (von denen etwa 300 Obstlieferanten sind)

Das Aufpreismodell sollte es wieder lohnend machen, das Obst zu ernten und abzuliefern.

Keltereien bezahlen oft wesentlich weniger oder nehmen das Obst nur gegen Tausch in Form von Saft an.

Momentan bezahlt der KA-Verein das Doppelte des Marktpreises plus einen Bio-Zuschlag

(das sind momentan 18 € + 2€) 

Der Vertrieb wird vom Verein organisiert, ein Logistiker übernimmt die Lagerung und Auslieferung.

Hergestellt werden „Äpfele“, „Birnle“, Schorle, Cidre, Balsamico-Apfelessig, Apfel-Zwetschge, Apfel-Maracuja.

Die Mischsäfte werden aus nicht bio-zertifiziertem Obst hergestellt.

Überschüssiger nicht zertifizierter Saft wird an die Kelterei gegeben.

2021 wurden so 265,9 t Obst verwertet, was zu ca. 150 000-200 000 Flaschen + Tanksaft verwertet wurde.

Mit den Mitgliedern werden Verträge abgeschlossen. Darüber hinaus werden die Grundstücke inspiziert und auf  Pflege kontrolliert, anfänglich war der Verein nicht zertifiziert, inzwischen wird das von einer Zertifizierungsfirma übernommen.

Weitere Aktivitäten des Vereins sind:

- Unterstützung von Naturschutzprojekten (Steinkauzansiedelung / Nisthilfenverkauf)

- Sammelbestellungen von Obstbäumen und biozugelassenen Pflegemitteln (z.B. Weißanstrich/ Leimringe)

- Mehrwertprojekte mit Kommunen (nicht als Ausgleichsmaßnahmen für Bauprojekte)

- auf der Homepage finden sich noch: Grundstücksbörse/ Dienstleistungsbörse/ Fachwirtliste

Trotz aller Erfolge sieht man zukünftige Schwierigkeiten: 

  • zum einen die Konkurrenz von billigen Apfelsaft aus Osteuropa, der nicht von Streuobstwiesen stammt und daher im Geschmack zwar nicht mit Streuobstsaft mithalten kann, aber eben billiger ist.
  • Die Frage des Leerguts bzw. der Verfügbarkeit von Leergut ist von Bedeutung. Leergut wird von den großen Lebensmittelhändlern (Edeka/ Rewe..) in großem Stil eingenommen, aber dann an Verteilerzentren geliefert. So haben kleine Keltereien oft wenig Leergut und Leerguteinkauf ist teuer, so dass der gewonnene Saft nicht mehr rentabel verkauft werden kann. Ein Ausweg könnte eine Abfüllung in Saft-Bags sein.

 

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